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19. August 2026

Deutschland hat sich „vernormt“

Bauen | Umbauen | Sanieren

Normen sollen das Leben eigentlich vereinfachen. Sie regeln viele
Details, damit sich zum Beispiel beim Bauen am Ende ein passgenaues
Ganzes ergibt. Zu viele Normen bremsen jedoch wichtige Aktivitäten
aus und verhindern den dringend benötigten Wohnungsneubau.

Deutschland braucht eine Radikalkur bei den Normen. Sie verschärfen die
Wohnungsnot und bremsen den Neubau. „Mit weniger und besseren Normen
hätte Deutschland mehr Wohnungen“, lautet das Fazit zweier Bauforschungsinstitute.
Die scharfe Kritik kommt vom Wohnungsbau-Institut ARGE des Landes
Schleswig-Holstein und vom Institut für Bauforschung (IFB) des Landes
Niedersachsen. Ihr Vorwurf lautet: Deutschland hat sich „vernormt“. Die
Bauforscher sprechen sich deshalb für einen „schnellen und konsequenten
Kurswechsel“ bei den Baunormen aus.
Deutschland könnte ein Drittel mehr Wohnungen bauen. Die ausgeuferte
Normung im Wohnungsbau sei mitverantwortlich für die Wohnungsnot,
rasant steigende Kaufpreise und explodierende Mieten. Die Gesamtkosten
im Neubau könnten um rund 1.000 Euro pro Quadratmeter Wohnfläche
gesenkt werden. „Wer mehr Wohnungen bauen will, muss dringend bei den
Normen ‚abrüsten‘ und sie wieder zu dem machen, was sie einmal waren:
ein Werkzeug, um Kosten zu senken“, fordern die Institute.
Beim Neubau von Wohnungen sind die Kosten seit dem Jahr 2000 bundesweit
um rund 245 Prozent gestiegen. Rund 20 Prozent dieses Kostenanstiegs
gehen auf das Konto höherer Normenstandards. Konkret bedeutet
das: „Normen haben in den vergangenen 25 Jahren die Gesamtkosten beim
Neubau um rund 600 Euro pro Quadratmeter Wohnfläche erhöht. Die Folge:
Es wird weniger gebaut“, sagt Prof. Dietmar Walberg. Als Beispiel führen
die Wissenschaftler der ARGE und des IFB den Schallschutz an: „Seit 2015
haben sich der Arbeitsaufwand und die Kosten, die hinter der Normung zum
Schallschutz stehen, verdreifacht.“
Fazit: Bund und Länder sollten verstärkt einen „Basis-Standard-Wohnungsbau“
fördern und damit deutlich günstigere und vor allem mehr Wohnungen
ermöglichen.

Foto: © Gerd Altmann, Pixabay

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